Wie anonyme Lernermeldungen die mündliche Partizipation im Klassenzimmer steigern können

Steigere die mündliche Beteiligung deiner Schüler: Erfahre, wie anonyme Lernermeldungen Ängste abbauen, Chancengleichheit schaffen und die Kommunikation im Klassenzimmer verbessern können. Entdecke Tools und die Vorteile dieser Technik.

Wir alle wissen, wie wichtig die aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler im Unterricht ist. Doch oft stehen einige von ihnen aufgrund von Schüchternheit oder Angst davor, sich zu blamieren, im Hintergrund. Mein Eindruck ist der, dass sich diese Situation zwischen 2019 und 2023 verschärft hat, und dass heute auch zunehmend leistungsstärkere Schüler davon signifikant häufiger betroffen sind als das vor 4 Jahren noch der Fall gewesen war.

Woran das liegt, vermag ich nur schwer zu verallgemeinern, vermute aber aufgrund meiner Erfahrungen, dass u. a. auch eine sich generell verschärfende Bresche zwischen abgehängten Schülern und Leistungsstarken und/ oder stärker motivierten Schülern das Klassenklima in manchen Kursen negativ beeinflusst. Viele Kollegen stehen der Situation relativ hilflos gegenüber, so wie ich auch sehr lange, und deshalb halte ich diesen Artikel für insofern nützlich, als dass er eventuell eine Diskussion anstösst.

Wie reagieren wir auf beschriebenes Phänomen?

Eine Chance besteht meiner Erfahrung nach in der Verwendung anonymer Lernermeldungen. Als Tools eignen sich dafür zum Beispiel Curipod und Plickers, über die ich hier und dort bereits mehrfach geschrieben habe. In dieser Episode zeige ich am Beispiel der Analyse und Kommunikation der Resultate im mündlichen DSD, wie du solche Techniken einsetzen kannst, und möchte begleitend dazu hier im Artikel einige wissenschaftliche Erkenntnisse und Gründe dafür vorstellen, warum anonyme Lernermeldungen die mündliche Partizipation im Klassenzimmer fördern können.

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Die gezeigten Curipods kannst du hier in diesem Artikel herunterladen.

1. Reduzierung der Angst vor negativem Feedback

Du kennst das sicherlich: Ein Schüler hat die richtige Antwort auf eine Frage, ist sich aber nicht sicher, ob er sie teilen soll. Die Angst vor einer möglichen Fehleinschätzung oder der Reaktion der Mitschüler kann abschreckend sein. Hier kommt die Anonymität ins Spiel. Wenn Schüler wissen, dass ihre Antworten oder Kommentare anonym bleiben, fühlen sie sich befreiter, ihre Gedanken zu äußern. Diese Hemmungen können dadurch abgebaut werden, was wiederum die Bereitschaft zur mündlichen Beteiligung steigert.

2. Erhöhte Chancengleichheit

In jeder Klasse gibt es Schülerinnen und Schüler, die sich gerne äußern, und andere, die sich eher zurückhalten. Anonyme Lernermeldungen können dazu beitragen, dass alle die gleiche Chance haben, sich zu Wort zu melden. Schüchterne oder introvertierte Schülerinnen und Schüler profitieren besonders davon. So schaffst du eine inklusivere Lernumgebung, in der sich jeder gehört fühlt.

3. Förderung von Diskussionen und Reflexion

Anonyme Beiträge können die Tür zu offenen Diskussionen und vertieften Reflexionen öffnen. Schülerinnen und Schüler können ohne Scheu über Ideen, Fragen oder Bedenken sprechen. Diese Offenheit führt oft zu tieferen und nuancierteren Gesprächen, die wiederum die mündliche Beteiligung anregen.

4. Verbesserung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses

Anonyme Lernermeldungen ermöglichen es dir, Feedback von deinen Schülerinnen und Schülern zu erhalten, ohne dass sie sich zurückhalten. Dies kann dir helfen, besser auf ihre Bedürfnisse und Interessen einzugehen. Es stärkt auch das Vertrauen zwischen dir und deinen Schülern und fördert die Kommunikation.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Erfolg von anonymen Lernermeldungen von verschiedenen Faktoren abhängt. Die Art der Umsetzung, die Altersgruppe der Schülerinnen und Schüler und deine pädagogischen Ziele spielen eine Rolle. Nicht in jeder Situation ist diese Methode gleichermaßen effektiv. Daher empfehle ich, die Anwendung von anonymen Lernermeldungen sorgfältig zu planen und zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie die gewünschten Ergebnisse erzielen.

5. Sprachliche Aktivierung in der Zielsprache und Fragetechniken

Sinnvollerweise soll und muss natürlich im Deutschunterricht die deutsche Sprache im Vordergrund stehen, das heisst es ist immer zuerst auch die Überlegung, welche sprachlichen Mittel man wiederholen, einführen, üben und festigen kann, um entsprechend aufbereitete Inhalte in der Zielsprache zu debattieren. Fragetechiken spielen dabei auch eine wichtige Rolle: statt den einzelnen Lerner nach seinem Input zu fragen, können mit allen durch offene Fragen die Beiträge aller Schüler klassifiziert, gewichtet, untersucht und wertungsfrei kommentiert werden. Dabei entstehen oft interessante Einsichten und der einzelne Schüler kann seine Position reflektieren, ohne sich in der Gruppe stärker zu exponieren als er möchte.

Insgesamt kann die Verwendung von anonymen Lernermeldungen eine wertvolle Ergänzung für deinen Unterricht sein. Sie fördert die aktive Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler und schafft eine offene Lernumgebung, in der jeder seine Stimme erheben kann. Probier es doch einmal aus und beobachte, wie sich die mündliche Partizipation in deinem Klassenzimmer verändert. Ich versuche, in vielen neuralgischen Momenten des Unterrichts auch anonymes Feedback zu integrieren, vor allem in Übungsphasen, nicht nur wenn es sich wie in diesem Beispiel um Auswertungen handelt.