Alumnos planean podcast: Vivir con los terremotos en Chile, Episodio 1 en línea

Nuestro primer episodio del podcast: Vivir con los terremotos en Chile. Los alumnos están trabajando en ello en las clases de física y alemán. Seguirán más episodios.

Im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts Physik und Deutsch als Fremdsprache haben die Schüler der 9. Klasse nun die erste Folge in ihrem Podcast veröffentlicht. Die Episode kann man hier anhören. Den Podcast finden Sie zum Beispiel auf Spotify. Beobachtungen werden gemacht zu den Stärken und Herausforderungen. Letztere liegen vor allem in der begrenzten Zeit, der Auswahl und Erstellung geeigneter Aktivitäten und Materialien, der fortlaufenden Integration der deutschen Sprache und den nicht immer idealen Rahmenbedingungen.

Probieren geht über Studieren

Vor Beginn war ich skeptisch. Fächerübergreifender Unterricht ist eine unheimliche Herausforderung. Denn für die erfolgreiche Umsetzung braucht es nicht nur kompetente, sondern auch motivierte Kollegen. Mein Wunsch war zunächst die Kombination Mathe und DaF. Denn hier hatte ich bereits Erfahrungen gesammelt. Unter einigen anderen Projekten erstellten wir in den vergangenen Jahren zum Beispiel mehrere digitale Mathebücher mit Textaufgaben auf Deutsch. In einer anderen Klasse und Einheit planten wir Geschäftsstrategien auf Basis fallender Verkaufspreise zur Sanierung eines Unternehmens aus der Landwirtschaft und präsentierten diese in Geschäftsgesprächen. Geht es um Sterne, kann man auch schon mal eine Entfernung eines Himmelsobjekts über die Lichtgeschwindigkeit errechnen; und ich erinnere mich an eine Einheit vor Jahren, in denen wir eine Matheaufgabe aus der chilenischen Wochenzeitschrift Condor lösten, und zeitgleich dazu eine Studie in der Oberstufe unserer Schule zur Lese- und Rechenkompetenz erstellten. Kooperation in Form von Rücksprache mit dem Mathelehrer gab es hier sehr oft – denn ich selbst war in höherer Mathematik eher Nebelschlussleuchte.

Aber im vorliegenden Fall war der Ansatz wesentlich komplexer. Bei einer ordentlichen Umsetzung heisst das: Thema und Schwerpunkt werden aus Perspektive beider Fächer aufgerollt. Das ist im Feld der Naturwissenschaften und in der Oberstufe ein hoher Anspruch. Für das Projekt haben wir insgesamt 4 Tage zu 6 Schulstunden am Stück Zeit. Ursprünglich wollte ich daher die Schüler an verschiedenen Beispielen aus dem täglichen Leben lineare Funktionen erkennen, darstellen und beschreiben lassen. In DaF hatte ich vor allem Beschreibungen (Ort, Weg, Zeit), Grafikbeschreibung und -analyse in den Mittelpunkt gestellt. Das Fach Mathematik hätte den theoretischen Unterbau und die Übung übernommen.

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Schwierig erwies sich dann, dass eine Vielzahl von Planungsstunden zu nur sehr wenig konkretem Material für das Fach DaF führten. Dann war der Mathekollege noch in ein zweites Projekt eingebunden, und stieg verständlicherweise aus. Aufgrund höherer Umstände – wir haben nur wenige Physikstunden an der Schule – stand ich schlussendlich ganz allein da.

Rettung brachte der Blick in den Lehrplan vom chilenischen Bildungsministerium zum Schulfach Physik. Behandelt werden in der Klassenstufe 9 Wellen am Beispiel von Erdbeben. So wurde die Idee zum Projekt geboren. Der Rahmen des Podcasts bot sich zwangsläufig an. Denn in einer 9. Klasse muss man sich erfahrungsgemäss allem voran auf das Sprechen konzentrieren. Wenn die Kinder mit mir in der Oberstufe beginnen, verstehen zwar einige schon viel Deutsch, sprechen aber kaum, viele gar nicht. Das ändert sich erst zur Schuljahresmitte im August, bei den Prüfungen im Sprachdiplom 1. Auch deshalb, weil viele Schüler danach mehr Zutrauen in die eigenen sprachlichen Fähigkeiten haben.

Zwei der vier Projekttage seit September sind nun bereits vergangen. Da ich das Projekt allein planen und stemmen muss, war guter Rat teuer. Ich bin schliesslich kein Physiklehrer, nur eben privat technisch interessiert. Was kommt rein, was fliegt raus? Wie fangen wir an, wo machen wir weiter?

Dazu kam noch, dass ich das Projekt mit der gesamten Klasse und nicht nur meinem Leistungskurs durchführe. Soll Deutsch hier überhaupt noch eine Rolle spielen, müssen das die Inhalte auch zulassen. Erst in den Einzelstunden im Leistungskurs zwischen den einzelnen Projekttagen kann ich Inhalte mit sprachlich stärkeren Schülern vertiefen. Das Risiko war also relativ hoch, dass die Hälfte der Klasse total überfordert sofort aussteigt.

Glücklicherweise ist das nicht passiert. Wahrscheinlich ist es dem Umstand geschuldet, dass ich im letzten Moment alles umgeworfen, Thema und Frage neu definiert und Material wie z. B. die Lesetexte drastisch reduziert und vereinfacht habe. Parallel hatte ich alle Projekttage auf Experimenten aufgebaut. Wir haben bereits Erdbebentische gebaut und die Ingenieure ausgezeichnet, die mit Lego das Verhalten von Gebäuden auf seismische Spannungen besonders gewagt auf die Probe stellen. Wir haben in Teams und im freien Wettbewerb aus einfachen Haushaltsmaterialien funktionsfähige Seismographen konstruiert und Erderschütterungen verschiedener Quellen aufgezeichnet. In der übernächsten Woche werden wir den Einfluss architektonischer Formen auf den Schutz der Küste vor Welleneinwirkung im selbstgebauten Wellentank messen und dokumentieren. Wer baut die rentabelsten und dabei effektivsten Küstenbefestigungen? Dazwischen wurden allerlei konkrete Dinge analysiert, kurze Texte gelesen, Spiele gespielt. Für mich bewährt sich immer wieder der spielerische Dreisatz: Aufgabe als Herausforderung ohne weitere Erklärung spielerisch verpacken, beraten, gemeinsam evaluieren. Jeglichen Inhalt können Sie Kindern so erfolgreich vermitteln. DaF-Unterricht kann (und muss) wenigstens zum Teil genauso funktionieren.

Deutsch hat sich trotz anfänglicher Zweifel ausgezeichnet integriert. Erstaunlicherweise sind schwache Schüler vor den für sie anspruchsvollen Texten nicht zurückgeschreckt. Das die Experimente begleitende Material wurde von allen Schülern wie selbstverständlich zu Rate gezogen. Stärkere Schüler sprangen ein, wo es Verständnisprobleme gab. Da die gesamte Klasse unheimlich schnell aktiv arbeitet, entsteht für den Lehrer viel Zeit, auf einzelne Schüler, Fragen und Ideen einzugehen. Ich schätze, dass seitens des Lehrers ungefähr 80 Prozent noch ausschliesslich Deutsch gesprochen werden konnte. Eine Mehrzahl der Schüler des Leistungskurses sprachen wie selbstverständlich Deutsch mit mir – trotz des Unterrichts im Klassenverband mit dem Grundkurs. Für mich war die eigentliche Überraschung jedoch, dass auch einige in Deutsch schwache Schüler aus dem Grundkurs ohne explizite Aufforderung Deutsch mit mir sprachen.

Auf Basis der zusammengetragenen und in der Gruppe präsentierten Informationen haben wir den Dialog für die erste Episode im Podcast im kompletten Verband des Leistungskurses geschrieben. Erst dann haben wir die Sprecherrollen verteilt. In einem letzten Schritt haben die Kinder noch authentische sprachliche Elemente integriert, unter anderen “Also”, oder auch Berliner Dialekt (“Jut” statt “Gut”). Aufmerksame Hörer hören das sicherlich an der einen oder anderen Stelle in der Episode. Eine Vielzahl dieser Elemente hatten sie schon im ersten Halbjahr kennengelernt. Nach einigen wenigen Leseübungen des fertigen Scripts haben wir dann aufgenommen.

Was wir in den nächsten Folgen verändern wollen

Wir wollen die nächsten Episoden weiterhin sehr kurz halten, zwischen 3 und 6 Minuten. Aber wir wollen nicht alle kommenden Episoden komplett als Script entwerfen. Wir wollen lieber Inhalte reduzieren, damit das Thema nicht langweilig wird. Stattdessen aber möchten wir auch jedem Experiment im Podcast eine Episode widmen und es erklären. Dabei soll dann auch spontanes Sprechen und Interviewen eine noch stärkere Rolle spielen. Einbinden will ich auch einen in Englisch starken Schüler für mindestens eine Episode in Englisch, auch ein bis zwei Episoden auf Spanisch zu ausgesuchten Aspekten des Themas sind denkbar.

Wie es weitergeht

Demzufolge wird sich die Planung des Projekts aber auch weiterhin noch fortlaufend ändern müssen. Hier im Beitrag finden Sie alle Einheiten mit dem entsprechenden Material zum Download, wobei ich dort fast täglich aktualisiere und die verlinkten Ordner in Google Drive um neues Material ergänze.

Schliesslich wird deutlich, dass zwei fachlich versierte und motivierte Kollegen für so ein Projekt notwendig sind. Allein ist es kaum zu schaffen und eine unheimliche zeitliche und nervliche Belastung. Sind es aber zwei Kollegen, ist diese Form der Arbeit eine wesentliche Bereicherung für Schüler, und es ist auch machbar. Ich hätte mir oft einen in Physik bewanderten Kollegen zur Seite gewünscht, der in den Experimenten noch tiefer auf entsprechende Zusammenhänge und Berechnungen eingehen kann. Andererseits ist der Alleingang eine echte Herausforderung, selbst zu lernen, die Lösungen zu suchen, die Materie zu verstehen, um sie dann wiederum erklären zu können. Es gab auch durchaus schon einige Momente, in denen ich von Schülern lernen konnte. Ich habe auch bisher sehr viel Spass gehabt, trotz diverser Probleme.

Leider ist das Projekt nach zwei weiteren Projekttagen vorbei. Ich halte das für zu kurz. Der vierte Projekttag ist für eine Ausstellung der Resultate reserviert, wovon ich allgemein sehr wenig halte. Konkret zeigt sich immer wieder, dass das passive Konsumieren selbst auf solchen sogenannten Messen wenig effektiv ist. Geplant ist am letzten Projekttag eigentlich der Besuch eines Zeitzeugen in unserer Stadt, der 1960 das weltweit stärkste Erdbeben erlebt hat, im nur 80 Kilometer von uns entfernten Valdivia. Dafür brauchen wir aber bereits mindestens 3 Stunden. Dazu kommt die Selektion des aufgenommenen Materials und die Produktion der Episode im Podcast. Für das Experimentieren mit dem Wellentank und einige kleinere Experimente werden wir den kommenden dritten Projekttag benötigen. In den Deutschstunden, die zwischen den Projekttagen liegen, müssen wir sehr diszipliniert arbeiten, um Wortschatz zu festigen und die Episoden vorzubereiten. Es versteht sich von selbst, dass das zwar oft produktiv ist – dass man allerdings manchmal Kompromisse eingehen muss. Schüler sind Kinder, keine Maschinen!

Will man eine solche Arbeit noch weiter vertiefen, gibt es auch andere Sachen zu bedenken. Geld ist zunächst weniger wichtig als immer angenommen wird. Denn viele Sachen lassen sich mit relativ wenig finanziellen Mitteln und Phantasie sehr leicht umsetzen. Die Experimente mit dem Erdbebentisch zum Beispiel kosteten für 22 Schüler etwa 47.000 Pesos. Das Bauen der Seismografen kostete für ebenso viele Schüler faktisch nichts; dank meiner Frau, die sich vom örtlichen Supermarkt 15 flache Kartons schenken liess und mir dankenswerterweise ihr Wollknäuel borgte. Für das geplante Experimentieren mit dem selbstgebauten Wellentank schlägt das Glas zum Bau des Tanks und der Mörtel zum Entwerfen der Bauelemente zu Buche. Dabei eignet sich der Tank aber später für eine Vielzahl weiterer Experimente im Physikunterricht in der Oberstufe (Elektrizitätserzeugung mit einer Spule, alternative Energiequellen (Wasserwellen), Hydraulik und Druck).

Allerdings wurde wieder deutlich, was mich schon jahrelang beschäftigt. Ein Lehrer, der projektorientiert arbeitet, braucht einen festen Arbeitsort und einen eigenen Raum, der er selbst (zum Teil sogar mit Schülern) gestalten kann. Auf diese Weise entwickeln sich aus der Persönlichkeit des Lehrers heraus, den permanent wachsenden Ideen und der Arbeit im Raum sowie den Methoden mittelfristig ein pro-aktiver Lehr- und Lernstil. Jedes Klassenzimmer wird so zum “Labor”. Auf der anderen Seite werden so Engagement, Lehrstil und Lehrqualität der Dozenten wesentlich transparenter.

Mittlerweile ist hier die zweite Episode erschienen.